Der Ara Bonito hat es gut: Er ist in der Papageienstation in Hoope aufgewachsen. Die Einrichtung von Margrit Reinhardt erhielt von Uwe Perl (links) und  Andre Niemeyer von der Bremerhavener Tierschutzstiftung Unterstützung. Foto: van Veenendaal
Der Ara Bonito hat es gut: Er ist in der Papageienstation in Hoope aufgewachsen. Die Einrichtung von Margrit Reinhardt erhielt von Uwe Perl (links) und Andre Niemeyer von der Bremerhavener Tierschutzstiftung Unterstützung. Foto: van Veenendaal

Ein Herz für Tierschützer

Bremerhavener Stiftung hilft Papageien-Auffangstation

Erschienen am 17.07.2016 im Sonntagsjournal der Nordsee-Zeitung

Susanne van Veenendaal

 

Bremerhaven/Hoope. Coco hat das Schlimmste hinter sich. Vorbei sind die Zeiten, in denen der weiße Kakadu ganz alleine und an eine schwere Eisenkette gebunden sein Dasein fristen musste. Heute lebt er auf einem Gnadenhof für Papageien. Doch die Einrichtung braucht selbst Hilfe. Denn Futter, Medikamente und Unterkunft für die Tiere sind teuer. Unterstützung gibt es von der Bremerhavener Stiftung für Tier- und Naturschutz (BSTN).

 

Cocos Geschichte ist starker Tobak. Da können auch Uwe Perl und Andre Niemeyer nur fassungslos den Kopf schütteln. Niemeyer ist einer der Geschäftsführer der BSTN, Perl Vorstandsvorsitzender der übergeordneten Bremerhavener Bürgerstiftung.

 

Als Cocos Besitzer den Vogel in die Auffangstation nach Hoope gebracht hat, habe er gesagt: „Coco ist manchmal böse. Dann muss man ihn mit der Kette an die Wand hauen, dann ist er wieder zwei Wochen ruhig“, berichtet Margrit Reinhardt, die gemeinsam mit ihrem Mann Ralf die Papageienstation Arche Noah leitet. „Solche Menschen könnte ich manchmal würgen“, sagt sie. In Hoope kann der Vogel jetzt seinen Lebensabend genießen – was übrigens noch eine lange Zeit dauern kann: Coco ist etwa 55 Jahre alt, bis zu 120 Jahre kann er werden.

 

Ein Drittel der Kosten zahlen die Reinhardts selbst

 

Nicht nur die Schicksale der Papageien – aktuell leben 42 Tiere auf dem Hof – bereiten den Reinhardts Sorgen. Auch die Finanzierung ist ein ständiges Problem: Auf 3500 Euro pro Monat läppern sich die Kosten für den Gnadenhof. Macht 42 000 Euro im Jahr. „Zwei Drittel davon kommt über Patenschaften und Spenden wieder herein“, sagt Margrit Reinhardt. Ein Drittel müsse ihr Mann von seinem Lohn dazu schießen. Speziell die Heizkosten schlagen stark zu Buche – als Exoten brauchen die Vögel viel Wärme. Aber auch Nahrung und Tierarztkosten seien nicht unerheblich.

 

Eben weil es sich bei den Papageien um Exoten handelt, gebe es auch kein Geld von der öffentlichen Hand. Das sehe der Gesetzgeber nicht vor, erläutert Reinhardt. „Wenn wir beispielsweise Greifvögel aufnehmen würden, sähe das anders aus.“ Hinzu komme, dass die Einrichtung keine Tiere vermittele. Zum einen, weil die Haltung in Privathaushalten selten artgerecht erfolge. Zum anderen, weil die Papageien wegen ihrer schlimmen Vergangenheit psychisch krank seien, und endlich zur Ruhe kommen sollen. Dennoch fallen durch diese Vorgehensweise mögliche Vermittlungseinnahmen weg.

 

Viel Engagement für den guten Zweck, wenig finanzielle Unterstützung – genau diese Zwickmühle kennen Perl und Niemeyer auch von anderen Projekten, die bereits von der BSTN gefördert wurden. Der Einrichtung in Hoope wurde jetzt in einem ersten Schritt mit 1000 Euro unter die Arme gegriffen. Auch eine dringend benötigte Box für kranke Vögel, die rund 650 bis 1000 Euro kostet, soll voraussichtlich von der Stiftung bezahlt werden. Dass diese Form der regionalen Förderung mehr als nötig ist, steht für beide Männer außer Frage. „Was würde denn sonst mit den Papageien hier passieren?“, fragt Perl. Auch Niemeyer zieht den Hut vor dem ehrenamtlichem Einsatz. „Viele Leute kümmern sich privat um Tiere und fahren beispielsweise mit ihrem persönlichen Auto in den Fischereihafen, um dort herrenlose Katzen zu versorgen“, erzählt der Bankkaufmann.

 

Stiftung will bekannt werden

 

Ihn berühre es, dass sich viele Menschen selbst einschränkten, damit es den Tieren besser gehe. Deshalb sei es ihm wichtig, dass die BSTN auch ohne ihn noch bekannter wird, und dadurch mehr Projekten geholfen werden könne.

Niemeyer kann nur noch wenige Monate im Geschäftsführer-Team der Stiftung bleiben, weil er aus beruflichen Gründen nach Wilhelmshaven geht. Nachdem schon Tierarzt Klaus Hantschel nicht mehr als einer von drei Geschäftsführern zur Verfügung steht, würde Zoodirektorin Dr. Heike Kück bald mit diesem Job alleine dastehen. Weil aber auch diese Arbeit ehrenamtlich geschieht, soll sie auf mehrere Schultern verteilt bleiben.

 

»Coco ist manchmal böse. Dann muss man ihn mit der Kette an die Wand hauen.«

Mit diesen Worten wurde der Kakadu Coco von seinem ehemaligen Besitzer in der Papageienstation abgegeben

 

www.papageienstation.de

Was ist die Tierschutzstiftung?

Bremerhaven. Die Bremerhavener Stiftung für Tier- und Naturschutz (BSTN) wurde als Unterstiftung der Bremerhavener Bürgerstiftung gegründet, weil viele Menschen explizit nur für Tiere spenden wollten. Die Bürgerstiftung hat die treuhänderische Verwaltung des Vermögens übernommen. Zu den Organisationen, die bereits von der BSTN gefördert wurden, gehören unter anderem der Tierschutzverein Stadt Langen und Umgebung, der Tierschutzverein Wild und Frei, der Verein Kitten in Not sowie der Kastrationsfonds südlicher Landkreis.

Aus dem Bereich Naturschutz wurde beispielsweise das Schulprojekt „Von Hummeln und Bienen“ der Honig AG unterstützt. Hierbei hat Stadtimker Andreas Bredehorn den Kindern die Bedeutung von Bienen vermittelt. Die Stiftung hat unter anderem die Kosten für zwei Hummelstaaten, zwei Bienenvölker, Bienenstöcke und Schutzkleidung übernommen.

Darüber hinaus hat die BSTN auf einer Obstbaumwiese im Ahnthammsmoor in Surheide ein Insektenhotel finanziert. 

www.bstn-online.de